Wie wir gesehen haben, war Weihnachten im Mittelalter zu einer offiziellen christlichen Institution geworden, und die Kirche unterstützte das umfassend. Bemerkenswerter Weise setzten sich viele der heidnischen Praktiken des Festes fort. Sogar noch bis zum 14. Jahrhundert wählten sie immer noch Narrenprinzen, die während der „12 Tage“ herrschen sollten. Daher gab es eine Zeit, in der die heidnischen Bräuche und die christliche Bejahung miteinander verbunden wurden und nebeneinander weiterbestanden. Mit der protestantischen Reformation, hauptsächlich durch Luther und Calvin, kam es zu einer großen Veränderung. Luther hatte mit allem, was römisch-katholisch war, Probleme, und natürlich war Weihnachten eine römisch-katholische Erfindung.
Auch die heidnischen Wurzeln des Christentums machten ihm Mühe. Dennoch gab Martin Luther schließlich auf, wie die meisten Staatskirchen. Denn als Staatskirche hat man das Verständnis, alle integrieren zu müssen. Man ist der Hirte eines Landes, und daher gibt es in Staatskirchen die Tendenz, die Bräuche und Ansichten des Volkes beizubehalten.
Luther feierte also Weihnachten, wenn auch nur zurückhaltend. Besonders liebte er es, den Kindern Weihnachtslieder vorzusingen, begleitet von seiner eigenen Gitarre. Er behielt es also bei. Calvin andererseits tat in Genf genau das Gegenteil. Calvin lehnte Weihnachten strikt ab - genau wie Ostern, weil das Neue Testament gegen Feste aller Art eingestellt ist. Siehe im Neuen Testament, Kolosser 3. falls sie es nachprüfen wollen. Daher wollte Calvin in Genf überhaupt nichts mit Weihnachten zu tun haben. Der Calvinismus kam in der Form des Presbyterianismus in meine Heimat – allerdings eher nach Schottland, nicht so sehr nach England. Das Ergebnis ist, dass es in Schottland kein Weihnachten gibt. Sie feiern Hogmanay oder das Neue Jahr, aber kein Weihnachten. Presbyterianer tun so etwas nicht, sie folgen Calvin.
John Knox war Calvins Vertreter in Schottland, und er überredete die Schotten, Weihnachten ganz aufzugeben, wie es auch zu einer späteren Zeit geschah, als die Presbyterianer fast ganz England und Schottland übernahmen.
Während des Bürgerkriegs.
Als Cromwell an die Macht kam, das Königshaus auflöste und König Charles in einer Krise seinen Kopf verlor, geschah es, dass das Parlament in England Weihnachten ganz offiziell per Gesetz vollständig abschaffte. Natürlich kann man aber das Volksempfinden nicht so leicht abschaffen, und insbesondere in den ländlichen Gegenden behielten die Menschen Weihnachtsfeiern einfach bei. Doch offiziell war es nun sowohl in England als auch in Schottland abgeschafft. Allerdings - wie Sie wissen, führte der Bürgerkrieg zu einem republikanischen Britannien, mit Cromwell als dem Lordprotektor oder Oberhaupt. Es überdauerte jedoch nur ein paar Jahre. Das Volk wollte wieder einen König. Die Menschen wollten Charles II. wieder auf dem Thron sehen, und sie brachten ihn auch erneut auf den Thron zurück. Charles II. bekräftigte daraufhin die Unterstützung der gesamten Königsfamilie für derartige karnevalistische Aktivitäten - und damit stand Weihnachten wieder auf dem Programm.
Im 19. Jahrhundert entwickelte sich dann - wie bereits erwähnt - das Weihnachtsfest, wie wir es heute kennen: Mit den Bäumen und den Dekorationen. Schrittweise fanden diese Traditionen gegen Ende des 19. Jahrhunderts ihren Weg in die Gemeinde, sodass es im 20. Jahrhundert sehr üblich war, dass ein Weihnachtbaum mitten in der Kirche stand, direkt dort, wo man Gottesdienst feierte. Zu meiner Überraschung entdeckte ich vor ein paar Jahren sogar eine Pfingstgemeinde, in der ein riesiger Weihnachtsbaum stand und der Gottesdienstraum mit Weihnachtsdekoration geschmückt war. Die Kirchen kapitulierten also allmählich vor dem Wunsch des Volkes, auch weiterhin Weihnachten zu feiern.
Tatsächlich begannen die Gemeinden, selbst Kapital daraus zu schlagen. So ersetzten sie beispielsweise den Gottesdienst am Morgen des ersten Feiertages mit einem Abendmahlsgottesdienst am Weihnachtsabend. Sie stellten nämlich fest, dass mehr Menschen Brot und Wein am Weihnachtsabend in Anspruch nahmen als zu jeder anderen Zeit während des Jahres. Selbst evangelikale Gemeinden veranstalten heute einen Abendmahlsgottesdienst an Heilig Abend.
Kirchen organisierten Gottesdienste, zu denen Weihnachtslieder gesungen wurden statt Kirchenlieder. Die Gemeinden gaben also schrittweise nach, und damit begann das, was man „den Kult um die Krippe“ nennt. Er bestand darin, dass die Kirchen eine Modell-Krippe hatten mit dem Baby Jesus darin sowie mit Josef, Maria, Eseln und manchmal Kamelen und allen Arten von Kreaturen. Sie zeigten die Krippe und machten sie zu einem Ort der Andacht und der Verehrung. Von dort verbreitete sich der „Kult um die Krippe“ in die Gesellschaft und das Krippenspiel entstand – dabei sollten Kinder die Geburtsgeschichte Christi vorspielen, was zu einigen sehr amüsanten Episoden führte. Wenn Sie versuchen, kleine Kinder dazu zu bringen, sich wie Erwachsene zu verhalten, können Sie mit Schwierigkeiten rechnen.
Ich erinnere mich an ein Krippenspiel in einer Grundschule, bei dem die heiligen drei Könige die Bühne betraten, und der erste sagte: „Hier ist etwas Gold für das Baby Jesus“. Der zweite erklärte: „Hier ist etwas Myrrhe für das Baby Jesus.“ Und der dritte sagte: „Und Frank sendet das“ - denn Weihrauch heißt auf Englisch „frankincense“. Ich erinnere mich an ein anderes Krippenspiel, bei dem Maria und Josef die Herberge erreichten, wobei Maria mit einem Kissen schwanger war. Sie fragten: „Haben ihr noch einen Platz für uns in der Herberge?“ Klein-Josef erklärte: „Sieh mal, meine Frau ist kurz davor, ein Kind zur Welt zu bringen, wir brauchen ein Zimmer.“
Der kleine Junge, der den Herbergsvater spielte, hatte offensichtlich seinen Text vergessen und sagte: „Kommt nur rein! Du kannst für Maria das beste Zimmer im Haus haben!“ Und die ganze Geschichte geriet in schwieriges Fahrwasser. Glücklicherweise war der Junge, der Josef spielte, sehr geistesgegenwärtig. Er steckte den Kopf zur Tür herein, kehrte wieder um und sagte zu Maria: „Du solltest mal sehen, wie es in dieser Herberge aussieht; sie ist für dich ungeeignet. Im Stall wird es uns besser ergehen, auf geht’s.“
Dadurch brachte er das ganze Stück wieder auf die richtige Spur. Zur großen Freude der zuschauenden Eltern. Die Weihnachtsgeschichte ist nicht für Kinder gedacht, sondern für Erwachsene. Die Bibel wurde für erwachsene Gläubige geschrieben. Wie auch immer, auf diese Weise wurden Christen involviert, was zu einer weiteren Krise führte. In Amerika waren die Gemeinden tief gespalten über der Frage von Santa Claus und Weihnachten. Auf der einen Seite erhoben die Presbyterianer, wieder von Calvin beeinflusst, die Baptisten und die Quäker ein Protestgeschrei gegen Kirchen, die Weihnachten akzeptierten. Und wenn es heute immer noch Protest gibt, dann kommt er oft aus diesen Gemeinden. Die Hauptdenominationen tendierten dazu, Weihnachten zu integrieren. Die Freikirchen versuchten zwar zunächst, es von sich fern zu halten, doch die meisten von ihnen, die Methodisten und die unabhängigen Gemeinden, gaben nach.
Ich muss sagen, dass Baptisten, die Heilsarmee und sogar Pfingstler nachgegeben haben und normalerweise Weihnachten auf die eine oder andere Art feiern, was zu der grundlegenden Frage führt: „Wo stehen Christen heute und wie sollte ihre Haltung aussehen?“ Wir stehen vor einer Wahl: Entweder nehmen wir es an und versuchen es irgendwie anständig zu halten oder wir lehnen es ab und geben uns nicht einmal Mühe. Oder, um es ganz unverblümt zu sagen: Entweder können wir versuchen, Christus wieder in das Weihnachtsfest zurückzubringen, oder wir können ihn herausnehmen und es als heidnisches Fest seine eigenen Wege gehen lassen. Großbritannien wird immer säkularer und steht unter den gottlosen Nationen dieser Erde an zweiter Stelle (Japan hat nach einer Umfrage aller Länder Platz eins inne). Wir sind die „zweit-gottloseste Nation der Erde“. Damit ist nicht gemeint: „unreligiös“, sondern einfach gottlos. Wir haben es also mit einer Situation zu tun, die sich verändert. Wenn sie sich so wie bisher weiterentwickelt, steuert der Trend auf ein vollkommen säkulares Weihnachten zu, das mehr mit seinen heidnischen Ursprüngen zu tun hat als mit irgendetwas Christlichem. Um ehrlich zu sein, befinde ich mich in der zweiten Gruppe, und ich feiere weder Weihnachten noch predige ich darüber. Ich spreche darüber, doch ich glaube, es ist sicherer, Christus von all dem zu befreien, was sich um Weihnachten herum entwickelt hat.
Ich will Ihnen gerne erzählen, warum ich zu dieser Schlussfolgerung gekommen bin. Es ist ein wenig alarmierend. In jener Pfingstgemeinde, die sich in Croydon befand und in der ich damals während der Weihnachtszeit predigte – auch wenn mich der Baum und der Schmuck direkt in der Kirche erschreckten – tat ich etwas, was ich schon oft getan habe. Ich stellte dem Herrn Fragen. Ich nenne es „fragendes Gebet“. Ich hoffe, Sie praktizieren das. Sie kennen die Fürbitte, dabei beten Sie für andere Menschen. Doch beim fragenden Gebet stellen Sie dem Herrn Fragen und warten auf eine Antwort. Für mich hat sich diese Form des Gebets als sehr hilfreich erwiesen, doch mitunter ist es auch sehr erschreckend, wenn die Antwort kommt. Inmitten des Gottesdienstes fragte ich damals: „Herr, was denkst Du über Weihnachten?“ Er erinnerte mich daran, dass ich ein Fotoalbum zu Hause hatte. Zusammengestellt von meiner Mutter, einer leidenschaftlichen Amateurfotografin. Sie gewann früher sogar Fotowettbewerbe. Dieses Album dreht sich um mich und mein Leben, von einem kleinen Baby bis ich ein Junge war. Wenn ich es anderen Menschen zeige, sagen sie: „Oh, was für ein goldiges Baby“, und ich hasse es. Mir liegt auf der Zunge: „Ich bin kein Baby! Ihr müsst jetzt so mit mir umgehen, wie ich heute bin, nicht so, wie ich damals war!“
Es ist viel einfacher, mit einem Baby umzugehen – es widerspricht nicht. Sie können sanft und leise mit ihm sprechen, es auf den Arm nehmen und es knuddeln, dabei schlägt es nicht zurück (jedenfalls nicht im Normalfall). Es gab also dieses Album, das bei mir zu Hause stand. Ich dachte: „Warum sollte der Herr mich daran erinnern?“ Dann wurde mir klar, dass er den Menschen sagen wollte: „Ich bin jetzt kein Baby mehr, jetzt nicht mehr. Ihr müsst so mit mir umgehen, wie ich jetzt bin, andernfalls ist es keine echte Beziehung.“ Mir wurde bewusst, dass es keine echte Beziehung darstellt, über einer Krippe zu „gurren“, weil dort keine wahre Person liegt, sondern nur eine Puppe.
Wenn Sie heute mit Jesus in Beziehung treten wollen, müssen Sie ihm begegnen, wie er ist, als einem erwachsenen Mann mit seinem eigenen Charakter, so, wie er wirklich ist. Während die ganze Welt begeistert ist von einer kleinen Krippe mit einer Puppe darin, sagt Jesus: „So bin ich nicht mehr. Ich will eine Beziehung mit dir, die real ist, zwischen dir und mir, so, wie ich wirklich bin.“ Ich teilte das der Gemeinde mit, weil es mir bewusst wurde, als ich dort auf der Bühne saß.
Ein wichtiger Teil!
Der andere Aspekt, der mich in meinem Denken stark beeinflusst hat, war vor ein paar Jahren ein Treffen mit einigen führenden Christen in meiner Heimat. Wir beschlossen, das fragende Gebet zu praktizieren, um mehr über unseren Herrn zu erfahren. Gemeinsam sagten wir: „Herr, wir würden dich sehr gerne besser kennenlernen, würdest du bitte etwas von deinen eigenen Gefühlen mit uns teilen?“ Dann wurden wir sehr spezifisch: „Gibt es irgendetwas, das dir zuwider ist?“, eine ungewöhnliche Frage. Ich werde diesen Moment niemals vergessen, mir erstarrte fast das Blut in den Adern. Plötzlich kam nur ein Wort, und zwar von mehr als einer Person aus dem Kreis der Beter: Nur ein einziges Wort: „Weihnachten“.
Ich glaube, ab diesem Moment fing ich an, mir ernsthaft Gedanken darüber zu machen. Natürlich ist ein Familienfest nichts Falsches, auch an Familientreffen ist nichts auszusetzen– es ist völlig in Ordnung, zusammen fröhlich zu sein, und wenn das die Art ist, wie Sie den kalten dunklen Winter feiern möchten, tun Sie es einfach. Doch nehmen Sie Jesus nicht als Vorwand. Das ist mein Plädoyer. Glauben Sie nicht, dass Er darüber begeistert ist. Für Christen ist es sehr wichtig, nicht zu fragen: „Was sagen oder tun die Kirchen“, sondern: „Was denkt oder fühlt Christus selbst zu dieser Frage?“
Versuchen Sie, ihn zu fragen, und überprüfen Sie, ob er Ihnen dieselbe Antwort gibt, die er uns damals gegeben hat. Finden Sie heraus, was seine wahren Gedanken dazu sind. Wussten Sie, dass sich viel weniger Menschen zu Weihnachten bekehren als zu jeder anderen Zeit des Jahres? Es liegt daran, dass die meisten Evangelisten zur Weihnachtszeit nicht arbeiten. Sie sind zu Hause bei ihren Familien, weil sie festgestellt haben, dass sie über Weihnachten keine Termine für eine Evangelisation bekommen können, daher nutzen sie die Gelegenheit, ihr Familienleben zu pflegen. Es nehmen zwar mehr Menschen das Brot und den Wein beim mitternächtlichen Abendmahl in Anspruch, aber es gibt viel weniger, die zu Christus kommen. Für ihn ist der Nutzen des Ganzen sehr zweifelhaft. Ich gebe Ihnen diese Gedanken einfach mit, weil sich jeder Christ meiner Meinung nach heutzutage mit Weihnachten auseinandersetzen muss.
Wir können uns dem nicht entziehen, es umgibt uns von allen Seiten, und wir müssen entscheiden, wie wir damit umgehen wollen. Lassen Sie uns nun wieder zur christlichen Geschichte von Weihnachten zurückkehren und sie uns erneut anschauen. Sie ist viel mehr als nur ein Krippenspiel in der Schule. Deshalb möchte ich im Vortrag nun das biblische Weihnachten betrachten. Und wir finden es in den Evangelien. Die Geschichte ist eine erstaunliche Mischung aus natürlichen und übernatürlichen Elementen – und die Frage, wie ernst Sie den übernatürlichen Teil nehmen, wird einen großen Einfluss darauf haben, wie Sie Weihnachten feiern.
Der natürliche Teil ist wirklich ziemlich gewöhnlich. Die Geburt Jesu war nicht viel anders als andere Geburten. Bis auf eine Besonderheit. Nach einigen Stunden der Wehen und unter nicht besonders angenehmen Umständen brachte Maria ihren erstgeborenen Sohn zur Welt. Diese Geburt war ziemlich normal. Bis auf eine Besonderheit. Und ich erwähne das, weil wir hier alle Erwachsene sind. Marias Jungfernhäutchen, das ihre Gebärmutter schützte, wurde durch einen Mann von innen(!) perforiert. Während in allen anderen Fällen das Jungfernhäutchen durch einen Mann von außen perforiert wird. Aber das ist der einzige Unterschied, den ich bei der Geburt an sich feststellen kann. Es war keine „wundersame Geburt“. Es war eine ganz normale Geburt nach mehreren anstrengenden Stunden. Und unter nicht besonders angenehmen Begleitumständen.
Die Geburt fand auch nicht in einem Stall statt – das ist ein Teil des Mythos. Und es geschah auch nicht in einer Höhle. Auch wenn man Ihnen eine Höhle in der Krypta der großen Kathedrale in Bethlehem zeigen wird, wenn Sie heute diese Stadt besuchen. Man glaubt dort, dass das die Höhle war, in der Jesus geboren wurde. Sie zeigen Ihnen auch einen Fleck auf dem Boden der Höhle, der mit einem silbernen Kreuz markiert ist. Dort soll Maria ihre Milch verschüttet haben. Die ganze Geschichte ist ziemlich fragwürdig. Jesus wurde in einem Gasthaus geboren, allerdings nicht in einem Zimmer dieser Herberge. Es gab zwar keinen Raum in der Herberge, aber dennoch wurde er in dem Gasthaus geboren. Denn wenn Sie eine Herberge im Nahen Osten besuchen, werden Sie dort noch heute solch eine große rechteckige Mauer ohne Fenster finden, die die Herberge umgibt. Sie wird von zwei großen Toren oder einem Doppeltor an einer Seite unterbrochen. Wenn Sie hineingehen, sehen Sie überall Räume an der Innenseite der Mauer, und alle Fenster sind nach innen gerichtet. In der Mitte befindet sich ein Platz mit Wassertrögen und Futterkrippen für die Tiere. All dies diente dem Schutz und der Sicherheit in einer gefährlichen Welt.
Sie nehmen Ihre Tiere und Ihre Familie durch die Tore mit hinein und fragen dann: „Gibt es einen Raum für uns?“ Und die Bibel berichtet ganz klar, dass es keinen Raum gab, was bedeutete, dass sie das tun mussten, was auch schon andere getan hatten, nämlich im Hof in der Mitte zu kampieren.
Der einzige Ort, an dem man dort ein Baby hinlegen konnte, war einer der Futtertröge. So müssen sie sich das vorstellen: Jesus wurde draußen im Freien unter dem Sternenhimmel geboren, im Hof der Herberge. Können Sie dieses Bild vor ihrem geistigen Auge jetzt erkennen? Die meisten Weihnachtskarten sind vollkommen falsch – man sieht entweder einen Stall oder eine Höhle oder etwas anderes. Es gibt das Wort „Stall“ in Ihrer Bibel nicht. Er wurde dort geboren, wo die Tiere und seine Familie die Nacht verbrachten.
Es ist eine sehr gewöhnliche Geschichte über die Kopfsteuer und die schwangere Verlobte eines jungen Mannes. Er war vermutlich ungefähr 17 oder 18 und sie wahrscheinlich 15 Jahre alt, das normale Alter für eine Verlobung zur damaligen Zeit. Hier waren sie also. Warum befanden sie sich so weit weg von zu Hause? Die Antwortet ist: Maria war vor der Hochzeit schwanger geworden. Was zur damaligen Zeit, wie heute noch in vielen Kreisen, eine Schande war. Man würde sie in ihrer Heimatstadt Nazareth boykottieren, niemand würde ihr helfen. Die anderen Bewohner würden nicht einmal mit ihr reden und sie einfach sich selbst überlassen.
Daher musste sie an einem anderen Ort gebären. Da ihr Verlobter Josef gezwungen war, wegen der Kopfsteuer nach Bethlehem zu gehen, weil er ursprünglich aus dieser Stadt stammte, musste Maria ihn begleiten. Normalerweise wäre eine Reise von über 100 Kilometern auf dem Rücken eines Esels nicht unbedingt das, was eine Frau, die in ihrer Schwangerschaft bereits fortgeschritten war, gerne unternehmen würde. Doch notgedrungen machte sie sich auf den Weg. Es ist erstaunlich, wie viele Mythen und Legenden um Jesus Geburt entstanden sind. Es gab Hirten, die kamen, um sie zu besuchen – aber das ist nicht besonders mythisch. Doch dann traten „weise Männer“ auf. Es heißt einfach „weise Männer“. Doch gemäß der Legende waren es nicht einfach Männer, es waren Könige.
Man hat ihnen daraufhin sogar drei Namen gegeben. Das alles ist darauf zurückzuführen, dass sie drei Geschenke mitbrachten, und daher dachte man, es müssten drei gewesen sein, und zwar von königlichem Geschlecht. Wer sonst würde zu einem König kommen? Und daher gab man ihnen Namen. All das entspricht einfach nicht der Wahrheit. Es ist Fiktion. Wir haben hier also eine merkwürdige Mischung aus Fakten und Fiktion.
Und es wurden auch nicht alle Fakten in die Fiktion mit einbezogen. Viele der Cousins Jesu wurden ermordet, weil er in Bethlehem geboren wurde. König Herodes war eifersüchtig, und er ordnete die Tötung aller Babys unter zwei Jahren an, um sicherzustellen, dass dieses Baby, das geboren wurde, um der König der Juden zu werden, nicht überlebte. Wann haben
Sie das zuletzt auf einer Weihnachtskarte gesehen? Herodes Soldaten, die Babys abschlachteten – es müssen Dutzende gewesen sein, und die meisten waren mit Jesus verwandt, weil die Menschen, die aus steuerlichen Gründen nach Bethlehem gekommen waren, alle zur selben Großfamilie gehörten. Haben Sie darüber schon jemals eine Weihnachtspredigt gehört?
Dies ist alles Teil der wahren Geschichte, doch wir wählen aus, was uns gefällt, und fügen dann noch hinzu, was die Geschichte nach unserer Vorstellung noch besser macht. Wir singen sogar Lieder darüber. Haben Sie jemals das Lied „Away in a Manger“ („Fernab in einer Futterkrippe“) gesungen, über das Baby, das niemals weinte? „Kein Weinen zeigt er“ – Unsinn! Der einzige Weg, auf dem ein Baby seine Mutter wissen lassen kann, dass es hungrig ist, besteht im Weinen, und zu glauben, dass Jesus so heilig war, dass er niemals weinte – das ist eine lächerliche Idee. Doch wir haben es von ganzem Herzen gesungen oder zumindest unsere Kinder dazu bewegt, es zu singen. Wann immer Sie Bilder von Jesu Geburt sehen, hängt ein Heiligenschein über dem Baby. Es ist ein Symbol der Herrlichkeit, doch es wurde nie von irgendjemandem wahrgenommen. Auch nicht von Josef und Maria.
Ich bewundere Josef übrigens wirklich. Er, der nach dem Josef des Alten Testaments benannt wurde, war ebenfalls ein Träumer, und er empfing durch Träume Botschaften von Gott. Die erste Botschaft erhielt er, als er entdeckte, dass Maria schwanger war. Er war entsetzt und dachte sogar, er müsste die geplante Hochzeit absagen und sich von seiner Verlobten ordnungsgemäß scheiden lassen, weil die Verlobung damals sehr verbindlich war.
Doch Josef glaubte dem Traum, in dem Gott ihm sagte: „Ich bin der Vater“. So etwas geschah zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte – und der Träumer Josef glaubte es! Ja, er glaubte es, und am nächsten Morgen heiratete er Maria. Um es quasi zu vertuschen, wodurch er sogar zugab und anerkannte, dass es sein Baby war. Das kostete ihn persönlich viel.
Ich liebe Josef. Er sagt nicht viel in der Geschichte, doch er unternimmt sehr viel als Reaktion auf Träume. Wir müssen die Geschichte an dieser Stelle unterbrechen. Wir machen eine kurze Pause - und dann treffen wir uns gleich zum nächsten Vortrag wieder.