Ich habe noch nie so eine Gute Erklärung gehört, bezüglich Weihnachten. Aus diesem Grund habe ich mich entschlossen, den Text aus diesem Video, schriftlich online zustellen. Dies ist zwar sehr aufwendig und zeitraubend, aber so kann man diese Info auch ausdrucken und weitergeben.
Hier der Text aus dem Video: Willkommen! Ich bin gebeten worden, einige Gedanken über Weihnachten festzuhalten. Ich werde dazu 2 Vorträge halten. Der erste ist historisch: Wie es begonnen hat und wo es herkam. Im zweiten Vortrag werden wir dann die Bibel und die Geburtsgeschichte Jesu betrachten – und wie dies alles zusammenpasst oder ob es überhaupt zusammenpasst. Wie die meisten von Ihnen wahrscheinlich wissen, ist Weihnachten kein christliches Fest; es begann lange bevor Jesus Christus geboren wurde. Ursprünglich war es ein heidnischer Fruchtbarkeitskult, mit dem die Wintersonnenwende gefeiert wurde – die Tatsache, dass die Sonne gerade wieder anfing, stärker zu werden. Man wartete, bis die Sonnenwende am 21. Dezember vorbei war, und feierte dann die Wiedergeburt der Sonne und dass der Frühling erneut auf dem Weg war. Das lag natürlich daran, dass die Menschen früher viel enger mit der Natur verbunden waren als wir heute, und viel stärker von den Jahreszeiten abhingen. Sie konnten ihre Nahrungsmittel nicht das ganze Jahr lang in der Gefriertruhe oder im Kühlschrank aufbewahren, sondern sie waren für ihre Ernährung auf die Jahreszeiten angewiesen. Daher gab es also Grund zum Feiern – insbesondere während des kalten, dunklen Winters war es gut, einen Karneval abzuhalten, denn das steckte eigentlich dahinter.
Hauptsächlich in Europa nahm es seinen Anfang, und in Nordeuropa nannte man Die Ursprünge von Weihnachten es Julfest. J-u-l. Es war der Ursprung des „Julscheits“ und der Julzeit. Viele kennen auch die Geschenktradition des „Julklapps“. Denn ein zentrales Element der Feier war ein riesiges Lagerfeuer, um das man sich versammelte, um sich warm zu halten. Dazu pflegte man einen riesigen Baum zu fällen und den Stamm als den „Julscheit“ zu verbrennen. Und dieses Lagerfeuer mit dem großen Baumstamm in der Mitte war das Zentrum der Jul-Feiern, in Nordeuropa.
In Südeuropa nannte man es die „Saturnalien“, abgeleitet vom Gott Saturn. Die Römer feierten die Saturnalien und machten viel Aufhebens um den Sonnengott Mithras. Es handelte sich also um eine Feier der Natur als Teil eines Fruchtbarkeitskultes. Fruchtbarkeit war damals ein sehr wichtiger Aspekt – die Fruchtbarkeit der Felder, der Tiere und der Menschen. Es gab also diesen alljährlichen Karneval oder dieses Fest, das sich jedoch leider regelrecht zu einer ausgewachsen Orgie entwickelte, weil die normalen Regeln des Zusammenlebens für die Festzeit außer Kraft gesetzt wurden. Man feierte nicht nur einen Tag, sondern zwölf Tage lang, bis zum 6. Januar. Ich erinnere mich heute noch daran, dass bei uns Zuhause die Dekoration an diesem Datum abgenommen werden musste – am zwölften Tag. Ich hatte keine Ahnung, warum. Ich wusste damals nichts von den zwölf Weihnachtstagen, die in dem Lied „The Twelve Days of Christmas“ besungen werden. Dort heißt es, „meine wahre Liebe sagte zu mir …“. Dieser Text ist ein Hinweis darauf, was geschah. Normale Beschränkungen wurden aufgehoben - mit dem Ergebnis, dass dadurch alle möglichen Dinge passierten. So wurden beispielsweise die üblichen Regeln sozialer Beziehungen außer Kraft gesetzt.
Gesellschaftsschichten
Dazu gehörte dann auch, dass es über Weihnachten keine höheren und niedrigeren Gesellschaftsschichten gab. Sie tauschten oft die Rollen. Tatsächlich servierten am Weihnachtstag Herren den Dienern das Essen. In der britischen Armee gibt es noch ein Überbleibsel davon. In der Königlichen Militärakademie von Sandhurst ist es immer noch Brauch, dass die Offiziere den einfachen Soldaten das Weihnachtsessen servieren. Für eine kurze Zeit wird die soziale Ordnung auf den Kopf gestellt. Doch es geschah hauptsächlich im Bereich sexueller Beziehungen, dass eine „Befreiung“ stattfand und Beschränkungen aufgehoben wurden.
Das sieht man heute immer noch bei Betriebsfesten. Das Küssen unter dem Mistelzweig geht auf diese Feiern zurück, bei denen die Häuser mit immergrünen Pflanzen wie Farnen und Palmen geschmückt wurden, insbesondere mit Mistelzweigen. Diese immergrünen Gewächse wurden nach drinnen gebracht und dazu benutzt, das Haus zu schmücken. Der Brauch, einen Kranz mit Winterbeeren an die Haustür zu hängen, geht direkt auf diese vorchristlichen Feste zurück. Ein Aspekt war sehr amüsant. Während dieses Karnevals konnten sich die Menschen so verkleiden, wie sie wollten, und durch ihre Verkleidungen wechselten sie quasi das Geschlecht. Männer zogen sich an wie Frauen und Frauen wie Männer. Auch das gibt es heute noch. In jeder Pantomime ist der männliche Hauptdarsteller ein Mädchen mit den längsten Beinen, und die Mutter des Hauptdarstellers ist eine „Frau“, die von einem Mann gespielt wird. Dieser Transvestismus hat seine Wurzeln in den Karnevalsfeiern der ursprünglichen Wintersonnenwende.
Es war eine Zeit der Völlerei
Es gibt mehr dazu zu sagen, als ich hier erwähnen möchte. Es war eine Zeit der Völlerei, in der es keine Rolle spielte, wieviel man aß. Sie konnten sich selbst unter den Tisch essen, und zu Weihnachten war das in Ordnung. Dies geschieht immer noch beim Weihnachtsessen - in England mit dem Truthahn und dem Plumpudding, dann essen wir weit mehr, als wir es normalerweise zu Mittag tun würden – es ist ein Überbleibsel des alten Fruchtbarkeitsfestes. Für das Trinken galt das gleiche: Sie konnten so viel trinken, wie sie wollten, und sich selbst unter den Tisch trinken. Auch das hat überlebt. Bei der Betriebsfeier oder während der Weihnachtstage sind die Kneipen voll mit Menschen, die sich betrinken.
Was hat noch die Zeit überdauert? Die sozialen Rollen werden umgedreht, genauso wie die sexuellen. Beim Essen und Trinken gibt es kein Halten mehr und interessanterweise auch beim Glücksspiel, das während des Jahres normalerweise verpönt war – zu Weihnachten hingegen konnte man soviel spielen, wie man wollte. Dazu gibt es ganz sicher eine moderne Entsprechung in dem Geld, das für Weihnachten ausgegeben wird. Es führt dazu, dass viele Menschen verschuldet in das Neue Jahr gehen und dann abzahlen müssen, was sie sich auf Pump zu Weihnachten geleistet haben. Alle diese Phänomene sind direkt auf diese zwölf Tage von Weihnachten. zurückzuführen. Viele Ortschaften wählten einen Narrenprinzen, der während der zwölf Tage herrschte und sich während dieser Zeit jede Frau aus dem Ort nehmen durfte. Das ist der Ursprung der zwölf Tage von Weihnachten und des gleichnamigen Liedes mit der Zeile „meine wahre Liebe sagte zu mir …“.
Es war also ein zügelloses Fest, bei dem die Menschen ihre Hemmungen fallenlassen und tun konnten, was sie wollten. Es war ein Fest der Ausschweifungen. Doch es hatte auch eine gute Seite, die darin bestand, dass man von den Reichen erwartete, den Armen während des Weihnachtsfestes zu helfen. Die Wohlhabenden kümmerten sich um die Notleidenden. Insbesondere die Armen, die Einsamen und die Behinderten wurden besonders versorgt. Das war eine positive Eigenschaft des alljährlichen Winterfests, und sie hat die Zeit überdauert. Am sog. Boxing Day, dem Geschenketag für die Bedürftigen und Hausangestellten am 26. Dezember, wurden die Kisten in der Kirche für die Armen geleert.
Was auch immer man am ersten Weihnachtstag hineingelegt hatte – jetzt wurden sie geleert, um die Bedürftigen zu beschenken. So fing es also an. Die nachfolgende Zeitreise hatte ihre Höhen und Tiefen. Ich werde nur ein oder zwei Tiefen und ein oder zwei Höhen erwähnen. Während des Mittelalters war das Fest nicht besonders beliebt, außer bei der Aristokratie und den höheren Gesellschaftsschichten. Während der nachfolgenden Jahrhunderte sank die Popularität immer weiter, bis zum 19. Jahrhundert. Erst dann nahm das Weihnachtsfest, wie wir es heute kennen, seine Form an. Erst im 19. Jahrhundert schrieben zwei Autoren Geschichten über Weihnachten. Auf dieser Seite des Atlantiks war es Charles Dickens.
Vieles, was wir heute über das Weihnachtsfest wissen, verdanken wir ihm. Nicht nur durch sein Buch „Eine Weihnachtsgeschichte“ mit dem alten Geizhals Scrooge. Was den Truthahn in dieser Geschichte betrifft – die Truthähne kamen ursprünglich aus den Vereinigten Staaten, und es gab dort einen Autor namens Washington Irving, den Charles Dickens Amerikas. Das moderne Weihnachten entwickelte sich also auf beiden Seiten des Atlantiks in einer Art gegenseitiger Befruchtung – und es wurde quasi durch diese beiden Autoren ausgelöst – ihre Geschichten stießen wirklich auf großes Interesse. Doch meiner Ansicht nach bestand der stärkste Einflussfaktor diesseits des großen Teichs aus Königin Viktoria und ihrem Ehemann, Prinz Albert, aus Deutschland. Unsere Könige hatten ihretwegen eine starke deutsche Prägung, und sie hatten bereits Weihnachten herübergebracht.
Einige unserer Könige und Königinnen waren sehr erpicht auf die Feier, den Karnevals-Aspekt
Einige unserer königlichen und Königinnen waren sehr erpicht auf die Feier und die Clownerei; Heinrich VIII. feierte entsprechend, und Elisabeth I. war dafür bekannt, dass sie den Weihnachtstag mit Tanzen und Glücksspiel verbrachte. Bis in die Zeit der Stuarts und Tudors hinein wurde Weihnachten insbesondere von der Königsfamilie begangen.
Doch es waren Victoria und Albert, die sich auf die normale Familie fokussierten, die hauptsächlich Weihnachten feierte – nicht die große Gemeinschaft, sondern die Familie; sie prägten das Familienleben in Großbritannien. Und es war Albert, der den Weihnachtsbaum auf die britische Insel brachte. Da es in Deutschland viele Wälder gab, es war ein sehr waldreiches Land, führte er den Weihnachtsbaum als wichtigstes sichtbares Symbol für das Fest in die Häuser der Familien ein. Während der Regierungszeit Viktorias wurde er zum Hauptbestandteil – jede Familie musste einfach einen Weihnachtsbaum haben.
Im 19. Jahrhundert hatte jemand die Idee, Weihnachtskarten an Verwandte und Freunde zu schicken. Eine Karte war ziemlich simpel und günstig. Die „Pfennig-Marke“ wurde zur „Halbpfennig-Marke“ für Weihnachtskarten. Dieser Unterschied zwischen Brief- und Kartenporto hielt sich ziemlich lange, bis ins 20. Jahrhundert. Das war also eine schnelle und einfache Methode, die eigenen Verwandten und Freunde zu grüßen, statt lange Briefe zu verfassen, unterschrieb man einfach eine Karte und verschickte sie für einen halben Pfennig mit der Post. Dieser Trend explodierte förmlich im 19. Jahrhundert. Es ist folglich dieses 19. Jahrhundert, dem wir das moderne Weihnachtsfest wirklich zu verdanken haben – insbesondere einem Herrn, der auf dieser Seite des Atlantiks als Weihnachtsmann bekannt ist, auf der anderen Seite des großen Teichs jedoch als Santa Claus. Dieser Name stammt aus Holland, weil die Stadt New York, in der Santa Claus als erstes auftrat, eine holländische Kolonie war. Damals hieß sie noch nicht New York, sondern „Neu-Amsterdam“.
In Holland war ein Heiliger aus uralter Zeit sehr beliebt, den man den heiligen Nikolaus oder holländisch kurz „Sinterklaas“ nannte. Sankt Nikolaus war ein Bischof aus der Türkei, der sehr gütig war und sich um die Armen kümmerte. Damals gab es in der Türkei einen Vater mit drei Töchtern, die keine Chance hatten zu heiraten, obwohl sie hübsch waren. Denn: sie hatten keinerlei Geld für die Mitgift. Von einer Braut oder ihrem Vater wurde damals nämlich erwartet, das Geld bzw. die Mitgift zu stellen, und die armen Bauern waren dazu nicht in der Lage. Daher schmuggelte der gute heilige Nikolaus einige Goldmünzen, die er in ein Tuch eingewickelt hatte, in das Häuschen des Bauern. Er stieg nicht im Kamin herab und legte die Goldmünzen auch nicht in eine Socke, sondern er wickelte sie in ein Tuch und warf sie durchs Fenster. Dadurch konnten die drei Mädchen heiraten. Diese Geschichte beflügelte wirklich die Fantasie der Holländer, und der heilige Nikolaus wurde fast zu ihrem Nationalheiligen. Sie nannten ihn Sinterklaas, die Kurzform für den Heiligen Nikolaus. Daraufhin wurde Santa Claus, wie wir ihn kennen, in New York „geboren“. Man gab ihm einen Roten Mantel, der an den Rändern mit weißem Hermelinpelz besetzt war, Jagdstiefel und einen langen weißen Bart. Und fertig war der Santa Claus, den wir heute alle kennen.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie wir früher eines Morgens unsere drei kleinen Kinder in Buckinghamshire ins Auto setzten, um zu einem großen Geschäft zu fahren, in dem sie Santa Claus sehen sollten. Doch auf dem Weg dorthin beobachteten wir einen weiteren Santa Claus, der einen Bus bestieg und sogar einen dritten Santa Claus, der zu Fuß auf dem Bürgersteig unterwegs war. Mir ist die Verwirrung, die das bei unseren drei Kindern auslöste, im Gedächtnis geblieben. Santa Claus schien an diesem Morgen überall dort zu sein, wo wir gerade hinkamen. Natürlich ist er heute wirklich „allgegenwärtig“ geworden, er er ist Teil des Weihnachtsfestes.
All das passierte im 19. und 20. Jahrhundert
Ich werde Ihnen gleich über die Christen berichten, die sich all diesem widersetzten. Und zwar ziemlich stark. Doch die öffentliche Meinung war viel stärker als die Protestler. Ich komme da gleich drauf zurück. Was ist im 20. Jahrhundert dem noch hinzugefügt worden? Ganz unzweifelhaft: der Kommerz. Wir nehmen dieses Video im Oktober auf und bereits jetzt gibt es Weihnachtswerbung im Fernsehen, die Läden füllen ihr Sortiment für das Fest auf und so weiter.
Interessanterweise richtet sich das Gros der Werbung an Kinder – das betrifft auch sehr teure Spielsachen. Doch die Werbung zielt mittlerweile ganz klar auf Kinder - weniger auf die ganze Familie. Beim Weihnachten des 20. Jahrhunderts geht es schwerpunktmäßig um die Kinder - was im Viktorianischen Zeitalter unbekannt war. Damals waren Kinder weder zu sehen noch zu hören, doch jetzt sind Kinder für viele Familien zum Mittelpunkt des Weihnachtsfestes geworden.
Ein weiterer Aspekt, der hinzugefügt wurde, die Weihnachtsansprache der Königin. Sie ist zu einem Ritual geworden und man kann sich Weihnachten ohne sie nicht mehr vorstellen. Sie nahm ihren Anfang mit dem Großvater der Königin, George V. Er hielt die erste Weihnachtsansprache und zitierte den denkwürdigen Vers: „Ich sagte zu dem Mann, der am Tor des Jahres stand …“ (aus dem Gedicht „Gott weiß“ der englischen Dichterin Minnie Louise Haskins). Die Antwort des Mannes lautete sinngemäß: „Leg deine Hand in die Hand Gottes, so kannst du sicher in die Zukunft gehen.“ Ich erinnere den genauen Wortlaut nicht mehr ganz, doch es traf wirklich einen Nerv im ganzen Land, als König George V. dieses Zitat vorlas, und deshalb hielt er von da an jedes Jahr eine Radio-Ansprache. Doch sein Sohn, König George VI., beendete diese Tradition, weil er furchtbar stotterte. Sie haben bestimmt schon von dem Film „The King’s Speech“ gehört und wissen von diesem Stottern. Er sagte deshalb: Ich werde auf keinen Fall jedes Jahr zu Weihnachten eine Radio-Ansprache halten!
Wie ich auch immer - im ersten Jahr des II. Weltkriegs wurde er um der Soldaten willen, die weit weg von zuhause waren, überredet, die Ansprache zu halten. Es gelang ihm und er setzte sie fort, während des gesamten Krieges. Daher muss seine Tochter, unsere Königin, die königliche Radioansprache halten, und zwar zur besten Sendezeit. Sie ist mittlerweile zu einem Teil des Weihnachtsfests geworden, genauso wie Unterhaltungs-Sendungen im Fernsehen.
Interessanterweise schlagen jetzt alle Massenmedien aus Weihnachten Kapital. Noch um das Jahr 1900 erwähnte das Magazin „The Times“ Weihnachten nie in seinen Dezember-Ausgaben. Doch wenn Sie heute Zeitungen und Zeitschriften betrachten, übernimmt Weihnachten zeitweise alles und wird zum Hauptthema. Das sind also die historischen Aspekte, keiner von ihnen ist natürlich christlichen Ursprungs. Alle zusammen haben sie die öffentliche Meinung ausnahmslos dermaßen geprägt, dass der bloße Gedanke, all dies abzuschaffen, die Bevölkerung in Großbritannien und Amerika wirklich schockieren würde.
Eine weitere Draufgabe des 20. Jahrhunderts zu diesem Durcheinander ist Rudolf, das rotnasige Rentier mit seiner leuchtenden Nase – es ist mittlerweile zu einem wichtigen Teil von Weihnachten geworden. Es ist also eine komische Mischung.
Jetzt wollen wir uns anschauen, wie Christen mit diesen alljährlichen heidnischen Fruchtbarkeitsriten umgegangen sind. In den ersten vier Jahrhunderten ignorierten gute Christen sie einfach. Sie waren wirklich überzeugt, dass Christen sich nicht an derartigen Ausschweifungen beteiligen sollten, und insbesondere der Karnevals-Aspekt machte ihnen Sorgen.
Im vierten Jahrhundert
Papst Gregor schickte einen Missionar namens Augustinus nach England schickte Papst Gregor einen Missionar namens Augustinus nach England – nicht den Augustinus, der „Die Bekenntnisse“ schrieb, sondern den anderen. Es gab einen in Afrika, ihn kennen wir am besten, doch ein weiterer Augustinus wurde nach England gesandt. Ein oder zwei Jahre später erstattete er Bericht, dass er Fortschritte gemacht hätte – er hatte den König von Kent getauft; eine Anzahl von Menschen kam in eine Kirche, die später zur Kathedrale von Canterbury wurde. Doch er erklärte: „Mir ist es nicht gelungen, den Briten ihr alljährliches kultisches Fruchtbarkeitsfest abzugewöhnen“, damit meinte er Weihnachten, auch wenn es damals nicht so genannt wurde. Obwohl er alles versucht hatte, konnte er sie nicht von diesen ausschweifenden Aktivitäten abbringen. Daher fragte er Papst Gregor: „Was soll ich tun?“ Papst Gregor antwortete ihm in etwa: „Wenn du sie nicht besiegen kannst, schließe dich ihnen an.“ Doch was er tatsächlich damit meinte, war: „Widme es in etwas Christliches um; bring es in die Gemeinde und begehe es im Namen Christi.“ Darüber hinaus schlug er vor: „Da sie die Geburt der Sonne feiern, kannst du sagen: ‚Wir feiern jetzt die Sonne der Gerechtigkeit, die mit Heilung unter ihren Flügeln aufgegangen ist.‘ Das ist ein Zitat aus dem Alten Testament.
So wurde also der 25. Dezember zum offiziellen Geburtstag Jesu. Natürlich entspricht das überhaupt nicht der Wahrheit – er wurde nicht im Dezember geboren. Hirten hüten nicht ihre Herden des Nachts im Dezember, da zu dieser Jahreszeit oft Schnee auf den Bergen Israels liegt. Uns wird in der Bibel erklärt, wann er wirklich geboren wurde, und zwar keinesfalls im Dezember. Doch genau wie die Königin ihren eigenen Geburtstag hat und einen offiziellen Ehrentag, an dem die große Militärparade auf dem großen Paradeplatz in London stattfindet, so erhielt Christus nun einen offiziellen Ehrentag, der nicht sein Geburtstag war, aber als solcher gefeiert wurde. Das war der wahre Anfang eines christlichen Weihnachtens.
Was noch hinzugefügt wurde, um es besonders christlich zu machen, war eine römisch-katholische Messe. Dadurch entstand der englische Name „Christ-mass“ (Christmesse), der sich, bis heute gehalten hat. So sah also die Missionsstrategie der römisch-katholischen Kirche aus. Wenn man Menschen nicht dazu bewegen konnte, Bräuche aufzugeben, importierte man sie und machte sie zu einem Teil des Kirchenprogramms, um alle bei Laune zu halten. Ich bin von diesem Ansatz überhaupt nicht überzeugt. Doch auf den Philippinen und in Lateinamerika habe ich gesehen, dass Katholiken immer noch Animismus und Spiritismus praktizieren, weil dies ihre ursprüngliche Religion war. Und die katholische Kirche hat diese Praktiken quasi eingeladen. Es ist ziemlich beunruhigend zu beobachten, wie tief diese alten Dinge immer noch verwurzelt sind. Das war also der Anfang, und es war Papst Julius, der Nachfolger von Papst Gregor, der es zu einer offiziellen Feier für die gesamte Kirche machte, obwohl es ursprünglich nur für Großbritannien gedacht war und dazu führen sollte, dass die Briten bestimmte Dinge aufgaben. Im Mittelalter nahm das Interesse an Weihnachten beständig ab, doch das Weihnachtsfest hat immer noch einen mittelalterlichen Touch – Postkutschen auf Weihnachtskarten und alte Reetdächer, Sie haben das alles schon gesehen. Es ist eine Art Nostalgie, eine Sehnsucht nach der guten alten Zeit. Sie war gar nicht so gut, doch die Nostalgie idealisiert sie durch die rosa Brille. All dies erfuhr mit der protestantischen Reformation eine radikale Veränderung. Meine Zeit für diesen Vortrag ist jedoch um, deshalb werden wir die Geschichte an dieser Stelle im nächsten Vortrag wieder aufgreifen.