road of humbleness

Aufforderung zur Buße und Umkehr

Heute ist der 26. August 2026 und in 16 Tagen, genau der 11. September 2026 ist der 29. Elul, der Tag, der als Tag der letzten Posaune bekannt ist. Ich habe gerade diese Predigt gefunden:   Pastor Olaf Latzel vom 07.04.2019 - Kehrt um und glaubt an das Evangelium! 

Als Pastor Latzel über Ninive berichtete, musste ich an die Zeit denken, wann damals diese 40 Tage waren, diese Tage hatten am 1. Elul begonnen und an Yom Kippur geendet. Vorher sprach Pastor Latzel über die Gaben, die unser Schöpfer uns gab, die wir auch für sein Reich einsetzen sollten, wenn wir es nicht tun, dann ist es Sünde. Plötzlich musste ich an gestern denken, da schlug ich meine Bibel auf Hesekiel 33 auf und am Abend Hesekiel 2 auf, daran musste ich gerade denken, als ich die Worte von Pastor Latzel hörte. Wenn Jeschua mich am 9. AV vor 21 Jahren zum Wächter berufen hat, kann ich in dieser kritischen Zeit vor Yom Teruah und Yom Kippur, mich nicht in mein Schneckenhaus verziehen. Für diese Zeit ist es nicht relevant euch von den aktuellen Ereignissen in der Welt zu berichten, ich muss die Dinge ansprechen, die jeden, mich mit eingeschlossen, zur Umkehr und Buße bewegen. 

Diese Predigt ist ein sehr guter Ansatzpunkt für einen wahrhaftigen Buß- und Umkehr-Aufruf, vor Yom Teruah. Ich hielt es für sinnvoll, aus dieser Predigt einen Artikel zu machen, anstatt nur einen Link zu dieser Predigt zu posten. Darum zeige ich euch eine ausführliche Zusammenfassung und ermutige euch, am Ende diese Predigt zu sehen. Anschließend, nach dieser Predigt, poste ich eine weitere von Pastor Latzel, hier geht es um die Erwählung. Diese Predigt habe ich bestimmt schon 10 mal oder mehr gesehen, sie gibt mir immer wieder Mut, wenn Angst, Zweifel und Versagen kommt. Lasst uns aber erst auf diese Bußpredigt konzentrieren. 

Ausführliche Zusammenfassung der Predigt von Pastor Olaf Latzel

Die Predigt steht unter dem zentralen Wort aus Markus 1,15: „Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ Pastor Olaf Latzel erklärt, dass dieses Wort zu den ersten öffentlichen Worten Jesu nach seiner Taufe gehört. Für ihn enthält dieser kurze Satz drei wesentliche Aufforderungen: Buße zu tun, an Jesus Christus zu glauben und das Evangelium anderen Menschen weiterzusagen.

Zu Beginn erklärt Pastor Latzel, dass Predigten traditionell unterschiedliche Bereiche des Menschen ansprechen können. Es gibt Predigten, die besonders den Verstand ansprechen, andere wenden sich stärker an das Herz, und wieder andere fordern die Zuhörer zu konkretem Handeln auf. Bei dem Predigtwort „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ sieht er eindeutig einen Schwerpunkt auf dem Handeln. Er möchte die Zuhörer deshalb nicht nur zum Nachdenken bringen, sondern ihnen konkret sagen, was sie nach seiner Auffassung tun sollen.

1. Die Aufforderung zur Buße und Umkehr

Der erste große Schwerpunkt der Predigt ist die Aufforderung: „Kehrt um.“ Pastor Latzel erklärt, dass die Begriffe Umkehr, Bekehrung und Buße im Neuen Testament eng miteinander verbunden sind. Während beispielsweise die Zürcher Bibel mit „Kehrt um“ übersetzt, verwendet die Lutherbibel „Tut Buße“. Für Latzel beschreiben beide Formulierungen denselben grundlegenden Vorgang.

Buße bedeutet für ihn einerseits die Hinwendung zu Jesus Christus, andererseits aber auch eine klare Abkehr von Schuld und Sünde. Gerade auf diesen zweiten Aspekt legt er in diesem ersten Teil der Predigt besonderen Wert.

Dabei betont er ausdrücklich, dass Buße nicht nur etwas ist, das einmal am Tag der Bekehrung geschieht. Auch ein Mensch, der bereits seit vielen Jahrzehnten Christ ist, bleibt nach seiner Darstellung aufgerufen, immer wieder Buße zu tun. Der Christ bleibt bis zu seinem letzten Atemzug ein Sünder und muss deshalb immer wieder bereit sein, sich von Gott korrigieren zu lassen und umzukehren.

Als Beispiele nennt Pastor Latzel mehrere bekannte Personen aus der Bibel. König David wird als ein besonders eindrückliches Beispiel dargestellt. David war ein von Gott begnadigter und geistlich bedeutender Mann, beging aber schwere Sünden. Er brach die Ehe mit Batseba und ließ deren Mann töten. Als der Prophet Nathan zu ihm kommt und ihm seine Schuld vor Augen führt, erkennt David seine Sünde und tut Buße. Für Latzel liegt gerade darin eine besondere Größe Davids: Er war bereit, seine Schuld zu erkennen und immer wieder umzukehren.

Auch Jona wird als Beispiel genannt. Jona erhielt von Gott einen klaren Auftrag, widersetzte sich diesem jedoch und ging in die entgegengesetzte Richtung. Erst nachdem er sich im Bauch des Fisches befand, musste er seine Haltung überdenken und umkehren. Anschließend ging er nach Ninive und erfüllte seinen Auftrag.

Als weiteres Beispiel nennt Latzel Petrus. Petrus war einer der engsten Jünger Jesu und sollte später eine wichtige Rolle beim Aufbau der Gemeinde spielen. Dennoch verleugnete er Jesus dreimal. Damit zeigt Latzel, dass auch Menschen, die Gott dienen und ihm grundsätzlich folgen, in Ungehorsam, Feigheit und Versagen fallen können und deshalb zur Buße gerufen werden müssen.

Die persönliche Prüfung des eigenen Lebens

Von diesen biblischen Beispielen führt Pastor Latzel die Zuhörer direkt zur Selbstprüfung. Jeder Christ soll sich fragen, ob in seinem eigenen Leben Dinge nicht in Ordnung sind.

Er nennt dabei ausdrücklich Gedanken, Worte und Werke, aber auch Ungehorsam, Feigheit und Faulheit. Er fragt, ob jemand ein klares Wort Gottes kennt und trotzdem bewusst anders handelt. Ebenso stellt er die Frage, ob Christen in ihrer Familie, am Arbeitsplatz oder in ihrer Gemeinde bereit sind, offen zu Jesus Christus zu stehen und sich zur Bibel zu bekennen.

Auch die Faulheit innerhalb der Gemeinde spricht er an. Seiner Darstellung nach besteht die Gefahr, dass Christen sich lediglich bedienen lassen, Gottesdienste besuchen und geistliche Angebote konsumieren, aber selbst nicht bereit sind, ihre von Gott gegebenen Gaben einzusetzen. Er fordert dazu auf, zu prüfen, was man mit den eigenen Gaben macht und ob man sie für persönliche Interessen oder für das Reich Gottes einsetzt.

Drei Schritte der Buße

Pastor Latzel beschreibt anschließend drei Schritte der Buße.

Der erste Schritt besteht in der Zerknirschung des Herzens. Der Mensch hört das Wort Gottes und erkennt darin seine eigene Schuld. So wie Nathan mit seiner Botschaft David traf, soll der Mensch erkennen: Dieses Wort Gottes betrifft auch mich.

Der zweite Schritt ist das Bekenntnis der Sünde mit dem Mund.

Der dritte Schritt besteht darin, mit der Kraft des Heiligen Geistes von der Sünde zu lassen und, soweit möglich, Dinge wieder in Ordnung zu bringen beziehungsweise wiedergutzumachen.

Die verborgene und unerkannte Schuld

Einen besonders wichtigen Teil der Predigt widmet Pastor Latzel der verborgenen und unerkannten Sünde. Er erklärt, dass ein Mensch nicht nur für die Sünden Buße tun soll, die ihm bewusst sind. Es gebe auch Schuld, die ein Mensch überhaupt nicht erkannt hat.

Er verweist dabei auf Aussagen der Bibel, in denen von verborgenen oder unerkannten Sünden gesprochen wird. Selbst wenn jemand seine bewusst erkannten Verfehlungen vollständig aufzählt, bleibt nach Latzels Darstellung möglicherweise noch vieles übrig, das der Mensch gar nicht wahrgenommen hat.

Als biblisches Beispiel führt er die Geschichte von Jericho und Achan an. Israel hatte den Auftrag erhalten, die Beute Gott zu überlassen. Achan nahm jedoch etwas für sich. Anschließend erlitt Israel bei Ai eine Niederlage. Latzel verwendet diese Geschichte, um zu verdeutlichen, dass verborgene Schuld Auswirkungen haben kann, auch wenn andere Menschen sie zunächst nicht erkennen.

Er fordert deshalb dazu auf, auch darüber nachzudenken, ob man anderen Menschen Liebe schuldig geblieben ist, jemanden verletzt hat oder einem anderen Menschen nicht die Ehre gegeben hat, die ihm gebührt.

Sünde darf nicht bagatellisiert werden

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Warnung davor, Sünde kleinzureden. Nach Latzels Darstellung neigen Menschen dazu, manche Sünden als „nicht so schlimm“ einzustufen. Die Bibel mache jedoch deutlich, dass Sünde grundsätzlich Schuld und Trennung von Gott bedeutet.

Er verdeutlicht dies anhand des Ehebruchs und der Worte Jesu aus der Bergpredigt. Nicht nur die tatsächliche körperliche Tat sei relevant, sondern bereits ein entsprechendes begehrliches Denken könne nach Jesu Worten Schuld darstellen.

Zur Veranschaulichung benutzt er das Beispiel eines Operationsbestecks, das beinahe vollständig desinfiziert wäre. Ein sehr kleiner Rest von Verunreinigung könne trotzdem gefährlich sein. Genauso könne auch eine vermeintlich kleine Sünde nicht einfach als bedeutungslos betrachtet werden.

Dabei verweist er auf Jakobus 2 und die Aussage, dass jemand, der das ganze Gesetz hält, aber an einem einzigen Punkt schuldig wird, am ganzen Gesetz schuldig ist.

Latzel fordert deshalb dazu auf, auch die verborgene und verdrängte Schuld vor Gott zu bringen. Selbst nachdem ein Mensch alles bekannt hat, was ihm bewusst ist, soll er Gott auch um Vergebung für die Schuld bitten, die ihm selbst noch unbekannt ist.

Seine Schlussfolgerung aus diesem ersten Teil lautet, dass der Mensch erkennen soll, dass er aus sich selbst heraus ein Sünder bleibt und seine Stellung vor Gott nicht aus eigener Gerechtigkeit herleiten kann.

2. „Glaubt an das Evangelium“

Der zweite große Teil der Predigt beschäftigt sich mit dem Glauben. Nach der Abkehr von Sünde folgt die Hinwendung zu Jesus Christus. Pastor Latzel bezeichnet deshalb „Glaubt an das Evangelium“ als ein Glaubenswort.

Er beschreibt Glauben in drei Schritten:

  1. Kenntnis von Jesus Christus
  2. Zustimmung zu Jesus Christus
  3. Vertrauen auf Jesus Christus

Glaube bedeutet demnach zunächst, Jesus kennenzulernen. Ein Mensch kann nicht an jemanden glauben, von dem er nichts weiß. Deshalb müsse man sich immer wieder mit der Bibel und mit Jesus Christus beschäftigen.

Latzel vergleicht das geistliche Leben mit der körperlichen Ernährung. So wie der Körper regelmäßig Nahrung benötigt, braucht auch der geistliche Mensch fortwährend Nahrung. Ein einmaliges Hören des Evangeliums reiche nicht für das gesamte christliche Leben aus.

Als geistliche Grundversorgung empfiehlt er ausdrücklich, regelmäßig in der Bibel zu lesen. Als Mindestmaß nennt er ein Kapitel aus dem Alten Testament und ein Kapitel aus dem Neuen Testament täglich. Er verbindet dies mit dem Gedanken, dass der Glaube ohne fortwährende Beschäftigung mit Gottes Wort nicht wachsen könne.

Er erzählt außerdem von früheren christlichen Kreisen, in denen es als gute Gewohnheit galt, die Bibel sehr häufig vollständig zu lesen. Damit will er verdeutlichen, welchen Stellenwert die regelmäßige Beschäftigung mit der Heiligen Schrift für das geistliche Leben haben soll.

Je mehr man erkennt, desto größer wird die Erkenntnis der eigenen Unwissenheit

Latzel beschreibt sein eigenes Verhältnis zur Bibel mit dem Bild eines Schwimmers im Atlantik. Wer an der französischen Küste ins Wasser geht und einige Kilometer hinausschwimmt, kann zunächst zurückblicken und feststellen, welche Strecke er bereits geschafft hat. Wenn er jedoch nach vorne schaut, erkennt er erst die gewaltige Größe des Atlantiks.

Genauso sei es mit der Erkenntnis von Jesus Christus. Je länger und intensiver ein Mensch im Glauben stehe und sich mit Gott beschäftige, desto mehr erkenne er auch, wie groß Gott ist und wie begrenzt das eigene Wissen bleibt.

Zustimmung zu Gottes Wort

Der zweite Bestandteil des Glaubens ist für Pastor Latzel die Zustimmung. Er verweist dabei auf den Heidelberger Katechismus und dessen Erklärung des wahren Glaubens.

Es gehe nicht nur darum, Wissen über die Bibel zu besitzen. Ein Mensch könne sehr viel über die Bibel wissen und trotzdem nicht glauben. Zum Glauben gehöre vielmehr, das, was Gott in seinem Wort offenbart, als wahr anzunehmen.

Als Beispiel nennt er den Theologen Rudolf Bultmann. Dieser habe nach Latzels Darstellung eine außergewöhnlich große wissenschaftliche Kenntnis des Neuen Testaments besessen, aber bestimmte biblische Aussagen nicht als wahr angenommen. Damit möchte Latzel zeigen, dass bloße Bibelkenntnis seiner Auffassung nach noch keinen Glauben ausmacht.

Die Bibel als vollkommen verbindliches Wort Gottes

An dieser Stelle betont Pastor Latzel besonders stark seine Sicht auf die Bibel. Die Heilige Schrift müsse vollständig als Wort Gottes angenommen werden. Er sagt, man könne und müsse in vielen Bereichen des Lebens Aussagen von Parteien, Kirchenleitungen und anderen Autoritäten hinterfragen. Beim Wort Gottes müsse der Gläubige jedoch darauf vertrauen, dass es wahr ist.

Dabei erklärt er, dass er selbst nicht alles in der Bibel verstehe. Entscheidend sei für ihn jedoch nicht, alles intellektuell erklären zu können, sondern Gott zu vertrauen und seinem Wort gehorsam zu sein.

Er warnt davor, durch Zweifel am Wort Gottes den Glauben zu schwächen. Als Beispiel führt er die Versuchungsgeschichte im Paradies an, in der die Schlange die Frage stellt, ob Gott tatsächlich etwas gesagt habe. Für Latzel beginnt Zweifel damit, dass der Mensch die Verbindlichkeit von Gottes Wort infrage stellt.

Beispiele für Glauben und Gehorsam

Um zu zeigen, was es bedeutet, Gottes Wort trotz menschlicher Einwände zu vertrauen, führt Pastor Latzel mehrere biblische Beispiele an.

Er erinnert an Petrus, der nach einer erfolglosen Nacht des Fischens auf Jesu Aufforderung hin noch einmal die Netze auswarf. Obwohl dies aus seiner bisherigen Erfahrung und aus seiner fachlichen Sicht keinen Sinn zu ergeben schien, sagte Petrus sinngemäß: Auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen. Daraufhin erlebte er den außergewöhnlichen Fischfang.

Auch Mose und die Israeliten am Schilfmeer werden erwähnt. Gottes Aufforderung, vorwärtszugehen, erschien angesichts des Wassers vor ihnen und des feindlichen Heeres hinter ihnen unmöglich. Trotzdem sollten sie dem Wort Gottes gehorchen.

Als weiteres Beispiel nennt Latzel den Hauptmann von Kapernaum. Dieser sagte zu Jesus sinngemäß: „Sprich nur ein Wort, und mein Knecht wird gesund.“ Für Latzel zeigt dies das Vertrauen darauf, dass allein Jesu Wort genügt.

Er spricht außerdem ausdrücklich von der leiblichen Auferstehung Jesu, den Wundern Jesu und der Schöpfung und fordert dazu auf, diese biblischen Aussagen nicht grundsätzlich infrage zu stellen.

Vertrauen auf Jesus Christus

Der dritte Bestandteil des Glaubens ist für Latzel das Vertrauen. Glaube bedeutet nicht nur, etwas zu wissen und für wahr zu halten, sondern sein eigenes Leben darauf zu gründen.

Er erklärt, dass Menschen in schwierigen Situationen leicht anfangen können zu fragen, ob Gott sie noch liebt. Der Glaube solle sich jedoch nicht ausschließlich nach den eigenen Gefühlen richten. Entscheidend sei, was Gottes Wort sagt.

Wenn ein Mensch beispielsweise keine Vorstellung davon habe, wie seine Zukunft aussehen werde, könne er trotzdem darauf vertrauen, dass Jesus Christus alles in seiner Hand hält.

Latzel verbindet Glauben deshalb auch mit der Überwindung von Angst. Ängste hinsichtlich der persönlichen Zukunft, der Gesundheit oder der finanziellen Situation sollen den Gläubigen nicht beherrschen, weil er darauf vertrauen dürfe, dass Jesus Christus die Zukunft in seiner Hand hält.

Vergebung und Heilsgewissheit

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Gewissheit der Vergebung. Pastor Latzel spricht davon, dass viele Christen trotz ihres Glaubens immer wieder unsicher seien, ob ihre Schuld wirklich vergeben wurde.

Er betont, dass der Mensch seine Sünde unter das Kreuz bringen und Gott um Vergebung bitten soll. Wenn die Schuld ehrlich bekannt wird, soll der Mensch darauf vertrauen, dass sie vergeben ist. Der Christ soll nicht ständig versuchen, für bereits bekannte und bekannte Sünden erneut „bezahlen“ zu müssen, sondern Gottes Zusage der Vergebung annehmen.

Auch die Heilsgewissheit spricht er an. Er berichtet aus seiner seelsorgerlichen Erfahrung, dass selbst langjährige Christen am Ende ihres Lebens, insbesondere angesichts einer schweren Diagnose und des nahenden Todes, plötzlich Zweifel bekommen können, ob es wirklich ewiges Leben gibt.

Dagegen stellt er die Aussagen Jesu über Auferstehung und Leben. Er verweist insbesondere auf Jesu Worte, dass derjenige, der an ihn glaubt, leben wird, auch wenn er stirbt. Daraus leitet er die Gewissheit des ewigen Lebens für denjenigen ab, der an Jesus Christus glaubt.

Er benutzt dazu das Bild eines Medikaments: Es genügt nicht, lediglich zu wissen, welches Medikament gegen eine Krankheit hilft. Man muss es auch tatsächlich einnehmen. Ebenso müsse der Mensch das, was Gottes Wort über Jesus Christus und das ewige Leben sagt, nicht nur kennen, sondern vertrauensvoll annehmen.

Am Ende dieses zweiten Hauptteils ruft er deshalb sowohl Menschen, die noch gar nicht glauben, als auch langjährige Christen dazu auf, neu an Jesus Christus zu glauben, die biblische Botschaft erneut anzunehmen und darauf zu vertrauen.

3. Die Aufforderung zur Evangelisation

Der dritte Schwerpunkt der Predigt lautet: Evangelisieren und Menschen zu Jesus Christus führen.

Pastor Latzel erklärt, dass die Aufforderung zur Evangelisation nicht isoliert vom Predigtwort verstanden werden dürfe. Direkt nach dem Wort Jesu „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ berichtet Markus davon, wie Jesus seine ersten Jünger beruft. Simon und Andreas werden aufgefordert, Jesus nachzufolgen, damit er sie zu Menschenfischern macht. Anschließend beruft Jesus auch Jakobus und Johannes.

Für Latzel ist dieser Zusammenhang entscheidend: Jesus ruft Menschen zunächst zur Umkehr und zum Glauben und beruft sie anschließend dazu, diese Botschaft weiterzugeben.

Die Gemeinde soll das Evangelium deshalb nicht für sich behalten. Christen seien nach seiner Darstellung dazu berufen, Menschenfischer zu sein und anderen Menschen von Jesus Christus zu erzählen.

Die verschiedenen Netze als Bild für unterschiedliche Formen der Evangelisation

Latzel geht anschließend ausführlicher auf das Bild der Fischernetze ein. Im Neuen Testament gebe es verschiedene Arten von Netzen, die beim Fischfang verwendet wurden. Manche konnten von einem einzelnen Fischer benutzt werden, andere erforderten mehrere Männer, wieder andere waren sehr große Netze.

Er überträgt dieses Bild auf die Evangelisation. Nicht jeder Christ werde auf dieselbe Weise evangelisieren. Manche können mit einer großen Gruppe oder einem Evangelisationsteam arbeiten, andere wirken gemeinsam mit mehreren Christen, und wieder andere erreichen vielleicht nur wenige Menschen in ihrem persönlichen Umfeld. Entscheidend sei nicht die Größe des Netzes, sondern dass überhaupt „Netze ausgeworfen“ werden.

Damit macht Latzel deutlich, dass Evangelisation nicht ausschließlich Aufgabe von Pastoren oder hauptamtlichen Mitarbeitern sei. Jeder Christ habe in seinem eigenen Umfeld Möglichkeiten, Menschen auf Jesus Christus hinzuweisen.

Evangelisation soll praktisch werden

Besonders deutlich wird dies in seinem Aufruf an die Zuhörer, an eine konkrete Person zu denken, die sie kennen und die nach ihrer Einschätzung noch nicht zum Glauben an Jesus Christus gekommen ist.

Er nennt als mögliche Personen Familienangehörige, Kinder, Enkel, Nachbarn, Arbeitskollegen oder andere Menschen aus dem persönlichen Umfeld. Diese eine Person sollen die Zuhörer während der kommenden Woche besonders im Gebet begleiten und anschließend Kontakt zu ihr aufnehmen.

Dabei soll nicht nur allgemein über den christlichen Glauben gesprochen werden. Latzel fordert dazu auf, dem Menschen konkret die Botschaft Jesu aus Markus 1,15 weiterzugeben: Umkehr, Buße und Glaube an das Evangelium.

Für ihn soll der Auftrag nicht bei einem allgemeinen Appell stehen bleiben. Die Christen sollen tatsächlich hinausgehen und anderen Menschen von Jesus erzählen.

Die Gemeinde als Gemeinschaft von „Menschenfischern“

Pastor Latzel beschreibt die Gemeinde Jesu Christi ausdrücklich nicht in erster Linie als Kulturträger, Weltverbesserer oder gesellschaftliche Organisation. Er sieht ihren zentralen Auftrag darin, die Botschaft Jesu Christi weiterzugeben.

Der Kern dieser Botschaft lautet für ihn: „Kehrt um, tut Buße und glaubt an das Evangelium.“

Dabei richtet sich dieser Auftrag nicht nur an besonders begabte oder hauptamtliche Mitarbeiter. Jeder Christ soll mit seinen eigenen Möglichkeiten und seiner eigenen Begrenztheit tätig werden.

Er kritisiert deshalb, dass sich manche Christen darauf beschränken, sonntags Gottesdienste zu besuchen, Predigten zu hören, selbst in der Bibel zu lesen oder an Bibelstunden und Kongressen teilzunehmen, während die persönliche Evangelisation eingeschlafen sei.

Seiner Auffassung nach reicht es nicht, selbst geistlich versorgt zu werden. Wer das Evangelium empfangen habe, solle es auch weitergeben.

Der konkrete Auftrag für die kommende Woche

Zum Ende der Predigt fasst Pastor Latzel seine drei Hauptpunkte noch einmal als konkreten Auftrag zusammen:

Erstens: Der Christ soll selbst Buße tun und umkehren.

Zweitens: Der Christ soll an Jesus Christus und das Evangelium glauben.

Drittens: Der Christ soll evangelisieren und anderen Menschen das Evangelium verkündigen.

Er macht daraus einen unmittelbaren Auftrag für die kommende Woche. Jeder Zuhörer soll einen bestimmten Menschen aus seinem Umfeld auswählen, für diesen Menschen beten und anschließend auf ihn zugehen.

Damit möchte Latzel erreichen, dass die Predigt nicht nur gehört wird, sondern konkrete Konsequenzen für das Leben der Zuhörer hat.

Die abschließende Geschichte

Zum Schluss erzählt Pastor Latzel von einer älteren christlichen Frau, deren Namen er nicht kennt. Die Begegnung habe sich einige Jahre zuvor in seiner Gemeinde ereignet.

Er beschreibt, wie er nach einem Gottesdienst einer etwa 80-jährigen Frau begegnete. Sie kam mit einem Traktat auf ihn zu und sprach ihn unmittelbar auf Jesus Christus an. Sie fragte ihn sinngemäß, ob er wisse, dass Jesus Christus für seine Schuld und Sünde gestorben sei, und erklärte, dass der Mensch sich bekehren müsse, weil er sonst für Zeit und Ewigkeit verloren sei.

Latzel erzählt, dass der Gemeindeleiter angesichts dieser direkten Art offenbar zunächst erschrocken reagierte. Die Frau habe sich jedoch nicht davon abhalten lassen, einem ihr unbekannten Menschen das Evangelium zu bezeugen.

Gerade diese Frau stellt Latzel am Ende als Beispiel dafür dar, wie die Aufforderung „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ praktisch umgesetzt werden kann. Sie habe verstanden, dass es um Umkehr und Buße, um den Glauben an Jesus Christus und darum gehe, diese Botschaft anderen Menschen weiterzusagen.

Die Predigt endet deshalb mit dem Wunsch, dass die Zuhörer denselben Mut besitzen mögen: Sie sollen selbst umkehren und glauben, zugleich aber auch als Zeugen und „Menschenfischer“ hinausgehen und der Welt von Jesus Christus erzählen. Abschließend richtet Pastor Latzel den Lobpreis und die Ehre an Jesus Christus.

Predigt von Olaf Latzel über die Erwählung Diese Predigt gab mir jedesmal sehr viel Mut, ich bin überzeugt, euch wird es genauso ergehen. Denn wir dürfen keine Angst haben, wenn etwas schief läuft in unserem Leben, dies muss ich mir selbst sagen, besonders jetzt, so kurz vor Yom Teruah. 

Thema: Erwählung und Vorherbestimmung

Pastor Latzel beginnt mit dem Hinweis, dass das Thema „Erwählung und Vorherbestimmung“ immer wieder in seelsorgerlichen Gesprächen und auch über das Internet angefragt werde. Es sei ein Thema, das vielen Christen Schwierigkeiten bereite und das deshalb noch einmal ausführlicher betrachtet werden solle. Als Ausgangspunkt nimmt er Apostelgeschichte 9,10–17, die Begegnung des Jüngers Hananias mit Saulus, dem späteren Paulus.

In dieser Geschichte wird Hananias von Jesus zu Saulus geschickt. Hananias weiß, dass Saulus die Christen verfolgt hat, und hat deshalb zunächst Bedenken. Der Herr erklärt ihm jedoch, dass Saulus sein „auserwähltes Werkzeug“ sei und seinen Namen vor Heiden, Könige und das Volk Israel tragen werde. Gleichzeitig wird angekündigt, dass Saulus um des Namens Jesu willen viel leiden müsse. Hananias geht daraufhin zu Saulus, legt ihm die Hände auf und spricht ihm zu. Saulus erhält sein Augenlicht zurück und wird mit dem Heiligen Geist erfüllt.

Paulus und Hananias als von Gott Erwählte

Latzel erklärt anhand dieser Geschichte zunächst, dass Paulus und Hananias von Gott erwählt wurden. Bei Paulus sei dies besonders deutlich, weil Gott ihn ausdrücklich als sein auserwähltes Werkzeug bezeichnet. Dabei verweist Latzel auch auf die Fähigkeiten, die Paulus bereits vor seiner Berufung besaß. Paulus sei gebildet gewesen, habe Griechisch beherrscht, sei theologisch ausgebildet gewesen, Pharisäer gewesen und habe aufgrund seines römischen Bürgerrechts weitere Voraussetzungen für seinen späteren Dienst gehabt. Diese Fähigkeiten seien aus seiner Sicht bereits von Gott für den späteren Dienst vorbereitet gewesen.

Auch Hananias sei von Gott ausgewählt worden. Es hätte in Damaskus andere Menschen gegeben, aber Gott habe gerade diesen Jünger zu Saulus geschickt und ihm einen ganz konkreten Auftrag gegeben. Latzel unterscheidet dabei zwischen einer allgemeinen Erwählung und einer besonderen Berufung zu einem bestimmten Dienst. Die Erwählung bedeute, dass Gott aus einer Vielzahl von Menschen bestimmte Personen herausnimmt und sie für einen bestimmten Dienst bestimmt. Als Vergleich nennt er die Auswahl von Mannschaften beim Sport, bei der einzelne Spieler aus einer Gruppe ausgewählt werden.

Erwählung und Vorherbestimmung sind nicht dasselbe

Danach macht Latzel einen Unterschied zwischen Erwählung und Vorherbestimmung. Die beiden Begriffe hätten zwar Überschneidungen, seien aber nach seiner Darstellung nicht identisch. Erwählung bedeute zunächst „Auslesen“ und habe in der Bibel häufig mit einer Auswahl zu einem bestimmten Dienst zu tun. Jesus habe beispielsweise seine Jünger erwählt. Auch Israel sei aus den Völkern erwählt worden.

Latzel betont in diesem Zusammenhang besonders die Erwählung Israels. Israel sei aus den anderen Völkern herausgenommen worden, nicht weil dieses Volk größer oder besser gewesen sei, sondern weil Gott es geliebt habe. Auch innerhalb Israels werde in der Bibel von einem erwählten Überrest gesprochen. Ebenso seien die zwölf Jünger in besonderer Weise erwählt worden. Jesus selbst werde als der Auserwählte beziehungsweise erwählte Sohn des Vaters bezeichnet.

Auch die Gemeinde Jesu sei erwählt. Latzel unterscheidet dabei zwischen der sichtbaren kirchlichen Organisation und der eigentlichen Gemeinde als Leib Christi. Nicht allein die Kirchenmitgliedschaft mache einen Menschen zu einem Glied der Gemeinde, sondern die Zugehörigkeit zu Christus und das Wirken des Heiligen Geistes.

Vorherbestimmung zur Heiligung

Den Begriff der Vorherbestimmung erklärt Latzel als etwas, das zuvor bestimmt oder festgelegt worden sei. Eine wichtige Form der Vorherbestimmung betreffe nach seiner Darstellung das Leben eines Christen und insbesondere die Heiligung.

Wer zu Jesus Christus gehöre, den Heiligen Geist habe und wiedergeboren sei, sei dazu vorherbestimmt, Christus ähnlicher zu werden. Der Christ solle entsprechend dem Heiligen Geist leben. Latzel beschreibt dies als einen Prozess, bei dem der „alte Adam“ zurückgedrängt werden soll und der Heilige Geist Raum im Leben bekommt. Die Vorherbestimmung zur Heiligung bedeute somit nicht, dass ein Christ passiv bleibe, sondern dass er entsprechend seiner Zugehörigkeit zu Christus leben und im Gehorsam wachsen solle.

Daneben gebe es auch besondere Vorherbestimmungen zu bestimmten Diensten. Latzel nennt dafür beispielsweise seine eigene Berufung zum pastoralen Dienst. Bei Paulus sei diese besondere Bestimmung ebenfalls sehr deutlich gewesen. Sein Dienst unter Heiden, Königen und Israel sowie die damit verbundenen Leiden seien bereits in seiner Berufung angelegt gewesen.

Vorherbestimmung zum Heil und zur Verdammnis

Anschließend geht Latzel auf den für ihn schwierigsten Teil des Themas ein: die Vorherbestimmung im Hinblick auf ewiges Heil und ewige Verdammnis.

Er stellt dar, dass es innerhalb des Protestantismus unterschiedliche Auffassungen gegeben habe. Bei Luther beziehungsweise in der lutherischen Tradition spricht er von einer sogenannten einfachen Prädestination, bei der die Erwählung der Menschen zum Heil betont werde. Die reformierte Tradition gehe nach seiner Darstellung weiter und vertrete die doppelte Prädestination, also die Erwählung sowohl zum Heil als auch zum Unheil.

Latzel betont, dass diese Lehre für Menschen schwer auszuhalten sei. Einerseits sage die Bibel, dass Gott wolle, dass Menschen zur Erkenntnis der Wahrheit kommen und gerettet werden. Andererseits gebe es nach seiner Darstellung ebenfalls biblische Aussagen über Gottes Vorherbestimmung. Diese beiden Aussagen müsse man zusammenstehen lassen, auch wenn der Mensch sie nicht vollständig miteinander erklären könne.

Er verbindet dies mit der Souveränität Gottes. Gott sei der allmächtige Schöpfer und der Mensch könne Gottes Handeln mit seinem begrenzten Verstand nicht vollständig erfassen. Deshalb müsse die Theologie nach Latzels Darstellung akzeptieren, dass bestimmte Aussagen der Bibel für den Menschen ein Geheimnis bleiben. Er warnt davor, biblische Aussagen so zu verändern, dass sie besser zum menschlichen Verständnis passen.

Vorherbestimmung und menschlicher Wille

Ein weiterer wichtiger Punkt ist das Verhältnis zwischen Gottes Vorherbestimmung und dem menschlichen freien Willen.

Latzel erklärt, dass die Bibel nach seiner Darstellung beides bezeuge: Gottes souveräne Vorherbestimmung und zugleich die Fähigkeit des Menschen, Entscheidungen zu treffen und beispielsweise Ja oder Nein zu sagen. Diese beiden Dinge seien für den Menschen schwer miteinander zu vereinbaren. Dennoch müsse man beide Aussagen der Bibel festhalten.

Er führt aus, dass Gottes Liebe nicht als Zwang verstanden werden könne. Gleichzeitig unterliege auch der menschliche Wille letztlich Gottes souveräner Herrschaft. Die Spannung zwischen diesen beiden Aussagen könne der Mensch nicht vollständig auflösen. Latzel fordert deshalb dazu auf, die biblischen Aussagen stehen zu lassen, anstatt sie aufgrund menschlicher Vorstellungen umzudeuten.

Israel und Gottes Erwählung

Latzel verweist anschließend auf die Erwählung Israels. Er führt die Aussage an, dass Gott Israel nicht deshalb erwählt habe, weil es größer oder stärker gewesen sei als andere Völker, sondern weil er es geliebt habe. Daraus leitet er ab, dass die Erwählung Israels eine souveräne Entscheidung Gottes sei.

Er verbindet diese Erwählung mit Gottes Vorherwissen und Vorherbestimmung. Dabei verweist er auch auf Psalm 139, wo davon gesprochen wird, dass die Tage eines Menschen bereits in Gottes Buch geschrieben seien, bevor sie entstanden seien. Latzel deutet dies dahingehend, dass Gott das Leben eines Menschen bereits kennt, bevor dieser Mensch geboren wird. Gott sei nicht lediglich jemand, der zufällig in die Zukunft hineinschaue, sondern derjenige, der die Zukunft selbst in seiner Hand halte.

Gleichzeitig macht Latzel deutlich, dass Menschen Gottes Willen ablehnen können. Als Beispiel nennt er die Pharisäer und Schriftgelehrten, die nach seiner Auslegung das verachteten, was Gott ihnen zugedacht hatte. Damit kommt erneut die Spannung zwischen Gottes Vorherbestimmung und menschlicher Verantwortung zur Sprache.

Die Erwählung durch Jesus

Mit Johannes 15,16 unterstreicht Latzel den Gedanken, dass nicht zuerst der Mensch Jesus erwählt habe, sondern Jesus den Menschen erwählt habe. Diese Erwählung sei mit einem Auftrag verbunden, nämlich Frucht zu bringen. Die Wiedergeburt und die Erwählung seien deshalb nach seiner Darstellung nicht das Ergebnis menschlicher Leistung, sondern Gottes Handeln.

Auch Römer 8 spielt dabei eine wichtige Rolle. Latzel verweist darauf, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Besten dienen und dass Gott diejenigen, die er zuvor erkannt habe, auch vorherbestimmt habe, dem Bild seines Sohnes gleich zu werden. Darauf folgten Berufung, Rechtfertigung und Verherrlichung. Die Vorherbestimmung werde damit erneut mit der Veränderung des Menschen in das Bild Jesu verbunden.

Für Latzel hat dieser Gedanke auch eine tröstliche Seite. Gerade in schwierigen Zeiten könne es dem Christen Halt geben, zu wissen, dass Gott einen Plan habe, auch wenn der Mensch diesen Plan nicht verstehe. Paulus habe beispielsweise sehr viel gelitten, sei verfolgt, ausgepeitscht und gefangen genommen worden. Dennoch habe sein Leben unter Gottes Vorsehung gestanden.

Jesaja und die Verstockung

Danach geht Latzel auf die Verstockung Israels ein. Er verweist auf Jesaja und darauf, dass Jesaja einen Auftrag erhalten habe, der nicht einfach darin bestand, eine allgemeine Erweckung herbeizuführen. Vielmehr werde in der prophetischen Berufung auch davon gesprochen, dass Menschen hören und dennoch nicht verstehen und sehen und dennoch nicht erkennen würden.

Latzel benutzt diesen Gedanken auch für den Auftrag christlicher Verkündigung. Der Erfolg einer Gemeinde dürfe nicht einfach an steigenden Mitgliederzahlen, hohen Kollekten oder einer möglichst attraktiven Veranstaltung gemessen werden. Entscheidend sei vielmehr, was Gott einer Gemeinde tatsächlich als Auftrag gebe. Eine Gemeinde könne nicht aus eigener Kraft bestimmen, wie viele Menschen zum Glauben kommen.

Er warnt deshalb vor einer Verkündigung, die hauptsächlich darauf ausgerichtet sei, möglichst viele Menschen anzuziehen. Seiner Darstellung nach könne man mit entsprechenden Programmen durchaus große Menschenmengen erreichen. Das sei jedoch nicht automatisch der Beweis dafür, dass dies der von Gott bestimmte Auftrag sei. Die Gemeinde müsse Gott fragen, was sie konkret tun solle.

Erwählung bedeutet nicht, dass Mission überflüssig wird

Latzel stellt ausdrücklich klar, dass die Lehre von der Vorherbestimmung nicht dazu führen dürfe, dass Christen aufhören zu missionieren. Auch wenn Gott diejenigen erwählt, die zum Glauben kommen, bleibe der Auftrag bestehen, Menschen das Evangelium zu verkündigen und sie zu Christus einzuladen.

Der Christ sei dafür verantwortlich, das Evangelium weiterzugeben, aber nicht dafür, den Erfolg dieser Verkündigung selbst herbeizuführen. Ob ein Mensch tatsächlich zum Glauben komme, liege letztlich bei Gott.

In diesem Zusammenhang verweist Latzel auf Epheser 1 und Epheser 2. In Epheser 1 werde davon gesprochen, dass Gott die Seinen vor Grundlegung der Welt erwählt und zur Gotteskindschaft vorherbestimmt habe. In Epheser 2 werde gleichzeitig betont, dass die Rettung aus Gnade durch den Glauben geschehe und nicht aus menschlichen Werken. Die Gläubigen seien in Christus zu guten Werken geschaffen, die Gott zuvor bereitet habe, damit sie darin wandeln.

Daraus leitet Latzel ab, dass auch die guten Werke eines Christen unter Gottes Vorsehung stehen. Wenn ein Pastor predige und Menschen durch diese Predigt angesprochen würden, solle nicht der Pastor den Ruhm dafür bekommen. Er sei lediglich ein Werkzeug Gottes. Entscheidend sei das Wirken Gottes und des Heiligen Geistes.

Die Gemeinde als erwähltes Volk

Mit 1. Petrus 1 verweist Latzel erneut darauf, dass die Gemeinde als eine Gruppe von Erwählten bezeichnet werde. Wie Israel im Alten Bund aus den Völkern erwählt worden sei, so sei auch die Gemeinde im Neuen Bund erwählt. Gleichzeitig dürfe die Erwählung nicht dazu führen, dass der Mensch seine Verantwortung für ein gehorsames Leben vergesse. Der Christ solle sich Gott zur Verfügung stellen und im Gehorsam leben.

Damit verbindet Latzel die Vorherbestimmung ausdrücklich mit der praktischen Lebensführung. Der Mensch solle sich nicht zurücklehnen und sagen, alles sei ohnehin vorherbestimmt. Vielmehr müsse er das tun, was Gott ihm aufträgt, und den Glauben im Leben sichtbar werden lassen.

Der historische Streit um Augustinus, Pelagius und Luther

Danach gibt Latzel einen Überblick über die historische Auseinandersetzung um den freien Willen und die Vorherbestimmung.

Er nennt zunächst den Streit zwischen Augustinus und Pelagius im fünften Jahrhundert. Pelagius habe die Fähigkeit des Menschen betont, sich aus freiem Willen für Gott zu entscheiden und selbst etwas zum Heil beitragen zu können. Augustinus habe demgegenüber die völlige Abhängigkeit des Menschen von Gottes Gnade und Gottes Handeln betont.

Latzel beschreibt diese Auseinandersetzung als einen Streit, der die gesamte Kirchengeschichte und die Theologie stark geprägt habe. Auch Martin Luther sei stark von Augustinus geprägt gewesen. Latzel verweist dabei insbesondere auf Luthers Schrift „Vom unfreien Willen“, die als Antwort auf Erasmus von Rotterdam entstand. Luther habe darin die menschliche Fähigkeit zum freien Willen in Bezug auf das Heil stark verneint und die absolute Souveränität Gottes hervorgehoben.

Erasmus habe dagegen den freien Willen des Menschen stärker betont. Latzel stellt diesen Gegensatz auch in einen größeren Zusammenhang mit dem Humanismus und dem späteren Denken, in dem der Mensch und seine eigenen Möglichkeiten zunehmend in den Mittelpunkt gerückt würden.

Anschließend erwähnt er Calvin und die doppelte Prädestination. Die reformierte Tradition habe den Gedanken weitergeführt, dass Gott Menschen sowohl zum Heil als auch zum Unheil vorherbestimmt habe. Latzel verbindet dies auch mit der Synode von Dordrecht und den dort entstandenen reformierten Bekenntnistexten.

Der Dienst des Christen und die Verantwortung für andere

Latzel betont anschließend, dass ein Christ nicht dafür verantwortlich sei, ob ein anderer Mensch tatsächlich zum Glauben komme. Er könne beten, predigen, Zeugnis geben und Menschen das Evangelium bringen. Die Entscheidung über den Glauben liege jedoch nicht in seiner eigenen Hand.

Deshalb müsse ein Christ nach seiner Darstellung nicht verzweifeln, wenn Menschen trotz jahrelangen Gebets nicht zum Glauben kommen. Die Aufgabe des Christen bestehe darin, treu das zu tun, was Gott ihm aufgetragen habe. Das Ergebnis liege bei Gott.

Judas als besonders schwieriges Beispiel

Den größten und schwierigsten Teil der Predigt widmet Latzel anschließend Judas Iskariot. Er möchte an Judas besonders deutlich machen, was es bedeutet, wenn ein Mensch nach seiner Darstellung zur Verdammnis vorherbestimmt ist.

Latzel betont zunächst, dass Judas kein unbedeutender Randjünger gewesen sei. Er gehörte zum Kreis der Zwölf und damit zu den engsten Jüngern Jesu. In den Aufzählungen der zwölf Apostel werde Judas ausdrücklich genannt. Außerdem habe er eine besondere Aufgabe gehabt: Er verwaltete die gemeinsame Kasse.

Latzel stellt einen Zusammenhang zwischen Judas und dem Geld her. Die dreißig Silberstücke seien der unmittelbare Anlass für den Verrat gewesen. Gleichzeitig verweist er darauf, dass Judas bereits zuvor als jemand dargestellt werde, der eine problematische Beziehung zum Geld gehabt habe.

Zusätzlich wird erwähnt, dass der Satan in Judas gefahren sei. Latzel verbindet damit die Aussagen der Evangelien über den Einfluss Satans auf Judas. Gleichzeitig hält er daran fest, dass der Verrat bereits in den Schriften des Alten Testaments angekündigt worden sei.

Judas erfüllt die Schrift und geht dennoch verloren

Besonders schwierig ist für Latzel die Tatsache, dass Judas durch seinen Verrat gleichzeitig die vorherbestimmte beziehungsweise vorhergesagte Geschichte erfüllt und dennoch für seine Tat verantwortlich bleibt.

Er verweist auf die Passionsgeschichte und darauf, dass viele Einzelheiten des Leidens Jesu bereits in den Schriften angekündigt worden seien. Dazu gehörten nach seiner Darstellung unter anderem Einzelheiten über den Einzug, das Geld, den Verrat und den Tod Jesu.

Judas bereue seine Tat später und bringe das Geld zurück. Dennoch komme es nicht zu seiner Rettung. Latzel verweist hierzu auf verschiedene biblische Aussagen über Situationen, in denen eine Umkehr beziehungsweise Vergebung nicht mehr möglich sei. Er nennt in diesem Zusammenhang unter anderem die Warnungen des Hebräerbriefes und das Gleichnis von den zehn Jungfrauen.

Für Latzel liegt hier ein besonders schwer verständliches Geheimnis: Judas erfülle durch seinen Verrat Gottes vorherbestimmten Plan, gehe aber gleichzeitig selbst verloren. Die beiden Aussagen stünden in der Bibel nebeneinander.

Warum hat Judas Jesus verraten?

Latzel stellt drei Fragen. Erstens fragt er, warum Judas Jesus verraten habe. Seine Antwort lautet innerhalb seiner theologischen Darstellung: weil es zu seiner Vorherbestimmung gehörte. Das Geld sei dabei das Mittel gewesen, aber die entscheidende Ebene sei die vorherbestimmte Rolle des Judas in der Heilsgeschichte.

Zweitens fragt er, warum Jesus nicht eingeschritten sei. Auch hier verweist er auf Gottes Heilsplan. Jesus sei selbst den Weg gegangen, der ihm vom Vater bestimmt gewesen sei, und habe deshalb Judas nicht daran gehindert, den Verrat auszuführen.

Latzel erklärt, Jesus hätte selbstverständlich die Autorität und Macht gehabt, Judas zu warnen und möglicherweise zu verhindern, dass dieser Weg eingeschlagen werde. Nach seiner Darstellung gehörte dies jedoch nicht zum vorgesehenen Heilsplan. Judas habe in diesem Plan eine bestimmte Rolle gehabt und sei schließlich verloren gegangen.

Die ewige Verdammnis

Latzel betont sehr deutlich, dass er an der Realität einer ewigen Verdammnis festhält. Er widerspricht der Vorstellung, dass die Hölle leer sei oder dass die Verdammnis nur vorübergehend sei. Nach seiner Darstellung bleibe der Zorn Gottes über diejenigen bestehen, die Jesus Christus verwerfen.

Gerade das Beispiel Judas mache deutlich, wie ernst die Frage nach Heil und Verdammnis sei. Das Christentum dürfe deshalb nicht als eine harmlose Angelegenheit betrachtet werden. Es gehe um ewiges Leben und ewigen Tod.

Der Blick des Christen auf die eigene Erwählung

Nachdem Latzel die schwierige Seite der Vorherbestimmung anhand Judas dargestellt hat, lenkt er den Blick wieder auf die Gläubigen. Die Frage solle nicht ausschließlich lauten, warum Gott bestimmte Menschen nicht erwählt habe. Vielmehr solle der Christ zunächst darüber staunen und dankbar sein, dass er selbst zu Christus gehören darf.

Er beschreibt die Erwählung als ein großes Privileg. Wer zu Christus gehört, dürfe wissen, dass seine Rettung nicht auf eigener Leistung beruht. Deshalb seien Dankbarkeit, Lob und Anbetung die angemessene Antwort auf Gottes Erwählung.

Gleichzeitig bedeute die Erwählung nicht, dass der Christ nun untätig bleiben dürfe. Die Erwählten seien dazu bestimmt, Frucht zu bringen, in Heiligung zu leben und anderen Menschen das Evangelium weiterzugeben.

Gott bleibt souverän, auch wenn der Mensch nicht alles versteht

Ein zentraler Gedanke der gesamten Predigt ist schließlich, dass der Mensch Gottes Handeln nicht vollständig erklären kann. Latzel sagt ausdrücklich, dass auch er selbst nicht erklären könne, warum Gott einen Menschen erwählt und einen anderen nicht, warum sein eigenes Leben so verlaufen sei oder warum andere Menschen nicht zum Glauben kämen. Er könne lediglich das wiedergeben, was er in der Bibel vorfinde.

Damit endet die Predigt bei der Aufforderung, die Souveränität Gottes anzuerkennen. Gott sei derjenige, der erwählt, vorherbestimmt, beruft, rechtfertigt und verherrlicht. Der Mensch könne diese Zusammenhänge nicht vollständig durchdringen.

Trotzdem bleibe für den Christen ein klarer Auftrag bestehen: Er soll Gott gehorchen, in Heiligung leben, das Evangelium verkündigen und Menschen zu Jesus Christus einladen. Er soll sich dabei nicht den Erfolg selbst zuschreiben, sondern darauf vertrauen, dass Gott selbst wirkt.

Die Predigt schließt damit, dass Erwählung und Vorherbestimmung nach Latzels Darstellung zentrale biblische Wahrheiten sind. Der Mensch soll anerkennen, dass Gott souverän handelt, auch wenn vieles für ihn unverständlich bleibt. Gleichzeitig soll der Christ dankbar für seine Erwählung sein, im Gehorsam und in der Heiligung leben und den Auftrag erfüllen, den Gott ihm gegeben hat.

Soweit die beiden Predigten.

Ulrike Veronika Barthel